6 wichtige Punkte für die nebenberufliche Selbstständigkeit 

Der Start

Als ich mich vor zehn Jahren selbstständig gemacht habe, ging ich ein hohes Risiko ein. Ich war gerade mit meinem Abitur fertig und alle erwarteten, dass ich studieren gehe. Ich machte jedoch etwas, was niemand erwartete: Ich ging mit 19 Jahren im Bereich der Finanzdienstleistung in die Selbstständigkeit. Meine Aufgabe war es für einen Versicherungskonzern die Organisation auszubauen. Dafür war ich dann am Umsatz beteiligt. Um Partner zu rekrutieren und aufzubauen, musste ich selber erstmal lernen, was es heißt jemanden von einer Dienstleistung oder einem Produkt zu überzeugen. Immerhin war ich 19 Jahre und das Produkt eine Versicherung. Schlechter hätten die Voraussetzungen nicht sein können.

Ich brauchte drei Jahre um von den Einnahmen leben zu können. Bis zu diesem Zeitpunkt lieh ich mir Geld. Das hat übrigens jeder, der in mich investierte, zurück bekommen. Wichtig ist, wenn ich mir Geld von Freunden leihe, dass ich keine festen Zinsen verspreche und die Rückzahlung nicht in Aussicht stelle. Das Schlimmste ist, wenn du Erwartungshaltungen aufbaust, indem du sagst, dein Gegenüber bekäme es bald wieder. Ich habe festgestellt, dass sich die Leute mit der Wahrheit viel besser fühlen. Am Start eines Unternehmens muss ich mich erst damit zufrieden geben, dass ich nicht weiß wie es kommt. Flexibilität ist das A und O.

Wenn ich neue Partner damals angeworben habe, waren diese meist hauptberuflich tätig als Angestellte, Beamte oder Studenten. Meine Aufgabe war es diese Menschen aus dem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit zu führen. Irgendwann stellte ich fest, dass es immer wieder die gleichen Fragen und Probleme sind, die nebenberuflich Selbstständige daran hindern ihren Traum zu leben und wirklich erfolgreich zu sein.

Nach sechs Jahren brauchte ich selbst einen Tapetenwechsel. Die starren Strukturen in großen Konzernen waren nichts für mich. Ich gründete zwei weitere Unternehmen und ging eine große Investition an einem Start-up ein.

Die Kunst der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Das Thema Nebenberuf hat mich aber weiter verfolgt und deswegen habe ich den Blog einfachstartup.de im Jahr 2014 gegründet. Das Ziel des Blogs ist es Menschen zu helfen, ein Unternehmen zu gründen und ihre Träume mit einem nebenberuflichen Start zu verwirklichen. Ich bin heute davon überzeugt, dass die nebenberufliche Selbstständigkeit ein gutes Mittel ist, um erste „Unternehmerluft“ zu schnuppern. Allerdings habe ich auch immer wieder beobachtet, wie schwer es Menschen fällt im nächsten Schritt ihren Hauptjob loszulassen und als 100%iger Unternehmer durchzustarten. Das Loslassen des Hauptjobs ist aber notwendig, um den Erfolg zu erreichen, den man braucht, um ein Unternehmen aufzubauen. Das ist nebenberuflich schwer möglich. Es reicht auch nicht eine Sache gut zu können ohne die notwendigen Dinge zu lernen, die nötig sind, um ein Unternehmen aufzubauen und zu führen. Die einzige andere Möglichkeit ist, dass ich mir jemanden mit ins Boot hole, der das kann. Wenn dieser hauptberuflich das gemeinsame Unternehmen führt,  kann schnell das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen nicht mehr passen und ein Konflikt entsteht. Viele Partnerschaften habe ich deswegen zerbrechen sehen. Wenn ein Gründer merkt, dass das „Unternehmertum“ nichts für ihn ist, hat er durch den nebenberuflichen Start nicht so viel riskiert.

Damit der nebenberufliche Start funktioniert, sind hier meine wichtigsten Erfahrungen:

    1. Du bist nicht allein. Im Jahr 2015 gab es laut KfW-Gründungsmonitor 763.000 Gründungen. Davon waren 479.000 nebenberufliche Gründungen und damit fast doppelt soviel wie hauptberufliche Gründungen. Leider sind Gründungen allgemein im Rückgang.

 

    1. Viele nebenberuflich Selbstständige wählen die Rechtsform Einzelunternehmen. Immerhin entfallen 2016 laut dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn auf diese Rechtsform fast 3/4 aller Gründungen. Das hat Vor- und Nachteile: Auf der einen Seite können Gründer sofort starten, müssen sich nicht ins Handelsregister eintragen lassen und können als Kleingewerbetreibende ihre Tätigkeit ausführen. Leider habe ich es auch immer wieder erlebt, dass nebenberuflich Selbstständige aufgrund von hohen Rückforderungen aus Provisionen, Steuerschulden oder Rechtsverletzungen Insolvenz anmelden mussten. Denn der große Nachteil eines Einzelunternehmens ist die persönliche Haftung mit dem gesamten Vermögen. Deswegen mein Tipp: Betrachte auch die andere Seite der Medaille und mache dir genau über die Risiken Gedanken.

 

    1. An die Steuern denken! Das große Problem, dass ich bei nebenberuflich Selbstständigen wahrgenommen habe, ist ihre Vorstellung, dass der Umsatz ihnen ohne Abzüge zur Verfügung steht, ähnlich, wie sie es vom Nettolohn kennen. Aber dem ist nicht so, denn in Deutschland gibt es ein progressives Steuersystem. Das bedeutet, dass höhere Einkommen mit einem höheren Steuersatz belastet werden. Nebenberuflich Selbstständige erhalten aber schon Einnahmen aus ihrer Haupttätigkeit, beispielsweise der Angestellte seinen Lohn oder der Beamte seinen Sold.
      Ein Beamter, der 40.000 € brutto verdient, würde ohne Kirchensteuer im Jahr 2014 9.311,43 € Steuern darauf zahlen. Dies entspricht einem Durchschnittssteuersatz von 23,38 %. Was passiert, wenn ich nur 10.000 € Gewinn aus meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit bekomme? Ich muss auf die 50.000 € 13.330,98 € Steuern zahlen. Das bedeutet, dass ich auf die zusätzlichen 10.000 € Gewinn aus meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit 4.019,55 € Steuern an das Finanzamt abführen muss. Das ist aber noch nicht alles: Das Finanzamt wird auf Grundlage des Gewinns des Vorjahres die Vorauszahlung für das nächste Jahr festlegen und einziehen. Wird die Steuererklärung 2014 erst am Ende des Jahres 2015 abgegeben, wird die Vorauszahlung für 2015 komplett fällig. Im Klartext bedeutet es 4019,55 € Steuern für 2014 und 4019,55 € als Vorauszahlung für das Jahr 2015. Auf einen Schlag müssen 8.039,10 € organisiert werden. Deswegen mein Tipp: Immer rechtzeitig die Steuererklärung machen und die dafür notwendigen Rücklagen bilden.

 

    1. Seit Gründung meines Blogs einfachstartup.de und der Beteiligung an einem Tiergesundheitszentrum inklusive Tierarztpraxis habe ich mir sehr viel Know-how über die freien Berufe angeeignet. Das Thema habe ich am Anfang unterschätzt. Mir fällt in Gesprächen mit Freiberuflern immer wieder auf, dass sie denken, das Finanzamt erkenne den Status Freiberufler ab Beginn zu, d. h.  unwiderruflich nach Abgabe des steuerlichen Erfassungsbogens. Das ist aber nicht der Fall. Erst die Betriebsprüfung, die nach einigen Jahren kommt, stellt den Status fest. Häufig sind gemischte Tätigkeiten das Problem, beispielsweise der Tierarzt, der nebenbei noch Futtermittel verkauft. Das ist aber eine gewerbliche Tätigkeit und keine freiberufliche. Deswegen sollten solche Tätigkeiten immer buchhalterisch sauber getrennt werden oder die Tätigkeiten in eigene Gesellschaften verlagert werden. Wenn die Tätigkeiten nicht mehr klar zu trennen sind, wird der gesamte Gewerbeertrag gewerbesteuerpflichtig. Hier droht ein hohes Nachzahlungspotential.

 

    1. Es ist denn gut den Status des nebenberuflich Selbstständigen zu haben? In meinem Alltag werde ich häufig gefragt, wo die Grenze zur hauptberuflichen Selbstständigkeit liegt und wie diese unterschritten werden kann. Wichtig ist dieser Status für die Krankenversicherung, da sie immer den Arbeitsmittelpunkt besteuert. Bin ich hauptberuflich selbstständig fließen daraus die Krankenversicherungsbeiträge. Bin ich hauptberuflich angestellt, kommen die Krankenversicherungsbeiträge aus dem Angestelltenverhältnis. Deswegen ist eine nebenberufliche Selbstständigkeit meist lukrativer als eine Gehaltserhöhung, da auf die Gewinne aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit „nur“ Steuern anfallen, aber keine Sozialabgaben. Die Grenze der hauptberuflichen Selbstständigkeit liegt bei mehr als 20 Stunden Zeiteinsatz. Zusätzlich sollte die nebenberufliche Selbstständigkeit die Einnahmen aus dem Hauptberuf nicht übersteigen. Ein günstige Konstellation kann sich ergeben, wenn ein Angestellter den Status der Krankenversicherung „hauptberuflich selbstständig“ bekommt. Dann ist er freiwillig gesetzlich versichert und kann in die private Krankenversicherung wechseln. Auf den Lohn werden keine Krankenversicherungsbeiträge mehr entrichtet. Dies kann unter Umständen das Nettogehalt erhöhen. Als Gründer ist es allerdings aufgrund der Bonität schwierig, in eine private Krankenversicherung zu kommen.

 

    1. Muss ich unbedingt die Kleinunternehmerregelung wählen? Die Kleinunternehmerregelung besagt, dass ich keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen darf – und  somit auch nicht abführen muss. Das ist auf der einen Seite ein großer Vorteil für die Buchhaltung. Auch für Endkunden ist mein Produkt 19 % günstiger. Wenn ich allerdings mit Firmenkunden arbeite, ist es egal, da eine Firma sich die Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt wiederholt. Genauso kannst du dir als Unternehmer deine Umsatzsteuer, die du beim Einkauf von Gütern und Dienstleistungen für dein Unternehmen entrichtest, zurückholen. Wenn in den ersten Jahren deines Unternehmens die Betriebsausgaben die Einnahmen übersteigen, kann es besser sein den Status Regelunternehmer zu wählen. Denn die Umsatzsteuer auf deine Betriebsausgaben erhältst du als echte Liquidität zurück. Bitte pass auf, denn meistens folgt nach ein bis zwei Jahren eine Umsatzsteuersonderprüfung.

 

Fazit – und noch ein Argument

Das Allerwichtigste bei der Gründung ist es, den ersten Schritt zu machen und den Stein ins Rollen zu bringen. Wie schwierig das ist, zeigt die Planerquote. Im Jahr 2015 haben laut KfW Gründungsmonitor 2016 5,4 % aller Erwerbstätigen darüber nachgedacht sich selbstständig zu machen. Von den 5,4 % haben im Jahr 2015 gerade mal 1,5 % gegründet. Anders ausgedrückt: Nur jeder Dritte traut sich. Gehe ich noch tiefer in die Zahlen, zeigt sich noch ein anderes Bild: Von den 5,4 % entfallen immerhin 3,1 % auf die Planer für den Vollerwerbsgründer. Von den 3,1 % machen sich gerade mal 0,56 % selbstständig. Die restlichen 2,3 % planen eine Nebenerwerbsgründung. Davon machen sich etwas weniger als die Hälfte nebenberuflich selbstständig (0,94 %). Die Zahlen sagen aber nichts darüber aus, wer erfolgreicher ist.

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Erik Renk

Erik Renk ist leidenschaftlicher Unternehmer und gründete mehrere Unternehmen. Mit 19 Jahren ging Erik Renk nicht zur Universität, sondern machte sich selbstständig. „Ich stehe auf die Achterbahnfahrt eines Start-ups“. Auf dem Blog einfachstartup.de gibt er sein Know-how und Tipps  zur nebenberuflichen Gründung weiter.

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  • Otto Stichling

    Hallo Erik,

    Vielen Dank für deinen Beitrag. In der Phase in der ich mich aktuell befinde war es sehr behilflich für mich.
    Da die Tage der Gang zum Finanzamt ansteht, würde ich gern aus deiner Sicht noch wissen, welche Rechtsform mir am besten stehen würde.
    Ich möchte demnächst zwei E-Commerce Projekte online testen. Ein weiteres Konzept ist angepeilt, welches in Richtung Gastronomie geht. Nebenbei will ich Freelancer-Tätigkeiten abwickeln.
    Wenn du mir diese Frage nicht beantworten kannst, wüsste ich gern an wen ich mich damit wende. Eher Anwalt oder Steuerberater?

    Jetzt schon großen Dank für deine Antwort.

    Viele Grüße
    Otto

    • Hallo Otto,

      natürlich kann meine Antwort keinen steuerlichen oder rechtlichen Rat ersetzen und ist nicht als solcher zu verstehen 🙂

      Bei der Freelancer Tätigkeit ist immer zu prüfen ob es sich um eine nach §18 EStG, freiberufliche Tätigkeit handelt. Der Vorteil von Freiberuflern ist, das sie sich keine Pflichtmitglieder in der Industrie und Handelskammer sind und keine Gewerbesteuer zahlen müssen. Um diese Vorteile zu nutzen ist die Rechtsform eingeschränkt auf Einzelunternehmen, GbR, Partnerschaft.

      Die gewerblichen Tätigkeiten wie E-Commerce müssen davon klar getrennt sein. Am besten separate Konten und separate Buchung. Ansonsten infiziert das Gewerbe die freiberufliche Tätigkeit und alles wird gewerbesteuerpflichtig. Für den E- Commerce Bereich wähle ich persönlich immer eine UG. Natürlich sind hier höhere Buchhaltungskosten zu verzeichnen aber du trägst anders als bei dem Einzelunternehmen oder GbR keine persönliche Haftung. Für den Proof of Concept muss man selbst wissen ob man dafür schon eine extra Gesellschaft gründet. Hängt vom Risiko und dem eigenen Geldbeutel ab. Gastronomie würde ich auf jeden Fall in eine UG packen falls Lokale gemietet werden und Angestellte eingestellt werden.

      Tipps für dich:
      Schaue dir gerne meinen Blogartikel auf meiner Seite- einfach im Suchfeld folgende Begriffe eingeben:

      Unternehmensform Übersicht
      steuerlicher Erfassungsbogen
      Freiberufler werden.

      Gerne kannst du auch auf Udemy meinen Onlinekurs buchen bei dem ich erkläre wie ein E-Commerce Kurs aufbaut wird oder wie du dich nebenberuflich selbstständig machst. Schreib mir bei Interesse dazu einfach eine kurze Mail an Erik@einfachstartup.de.

      Ich hoffe das war hilfreich. Es handelt sich nicht um eine rechtliche oder steuerliche Beratung und kann diese auch nicht ersetzen.

      Falls ich noch was für dich tun kann, lass es mich wissen 🙂

      Beste Grüße
      Erik